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Photovoltaikanlage
PV-Anlage: Ost-West-Tagesverlauf wirklich sinnvoll?

PV-Anlage: Ost-West-Tagesverlauf wirklich sinnvoll?

Veröffentlicht am
22.11.2023
Inhaltsverzeichnis

Ost-West-Dach: Was ist das überhaupt?

Bei einer Solaranlage sprechen wir von einer Ost-West-Belegung, wenn eine Aufteilung auf zwei Teilanlagen erfolgt und Sie die Solarmodule sowohl auf dem Ost- als auch auf dem Westdach unterbringen. Der Fachmann nennt das "beidseitige Modulbelegung". Der Gedanke dahinter ist einfach zu verstehen: Da sich die Sonne im Tagesverlauf von Osten nach Westen bewegt, können Sie eine gleichmäßigere Auslastung Ihrer Anlage erzielen. Über das gesamte Jahr betrachtet erzeugt die Hälfte der Solaranlage auf der Ostseite ungefähr genau so viel Strom wie die andere Hälfte auf der Westseite. Das hängt natürlich auch immer von der genauen Ausrichtung des Hauses bzw. der Dachflächen ab.

[Infografik: Ungefährer Ertrag bei Anlagen mit Ost-West-Ausrichtung mit Hochpunkten morgens und am späteren Nachmittag]
[Infografik: Ein Haus mit zweiseitiger Dachbelegung und die Sonnenstände über den Tagesverlauf. Die Sonne bildet gewissermaßen einen Halbkreis um das Haus.]

PV-Anlage: Lohnt sich die Ost-West-Ausrichtung bei Photovoltaik?

Um die Frage beantworten zu können, ob sich die Ost-West-Ausrichtung bei Solaranlagen lohnt, müssen wir uns zuerst die Alternativen ansehen. Den höchsten Ertrag erreichen Sie in der Praxis mit einer PV-Anlage, die nach Süden ausgerichtet ist. Gleichzeitig ist auch der Neigungswinkels des Dachs zu berücksichtigen. Die folgende Tabelle veranschaulicht anhand von Beispielwerten, wie sich der Ertrag mit der Dachausrichtung und dem Neigungswinkel ändert:

Die Werte in der Tabelle lassen erkennen, dass sich eine Ost-West-PV-Anlage zwischen der optimalen Süd- und der weniger vorteilhaften Nordausrichtung wiederfindet. Tatsächlich liegen die Werte ziemlich genau zwischen diesen beiden Lösungen.

Dachfläche optimal nutzen mit Ost-West-Photovoltaikanlagen

Die Aufteilung der Solarmodule auf das West- und das Ostdach bietet einen entscheidenden Vorteil: Sie können mehr Solarmodule unterbringen, weil Sie beide Dachhälften und damit zumindest prinzipiell die gesamte Dachfläche ausnutzen können. Auf der Südseite erreichen Sie zwar einen höheren Ertrag, doch nutzen Sie dann nur eine der beiden Dachhälften. Deshalb lohnt sich die Anschaffung einer PV-Anlage auch dann, wenn Ihr Dach eine solche Ost-West-Ausrichtung aufweist.

Der Ertrag einer PV-Anlage mit Ost-West-Ausrichtung im Tagesverlauf

Weist Ihr Dach eine perfekte Ost-West-Ausrichtung auf, sollten beide Teilhälften der PV-Anlage tatsächlich ziemlich genau den gleichen Stromertrag erzielen. Das ist in der Praxis aber natürlich nicht immer der Fall. Es ist daher durchaus möglich, dass die beiden Erträge mehr oder weniger stark voneinander abweichen.

Typisch ist, dass Sie mit einer Photovoltaikanlage mit Ost-West-Ausrichtung bereits früher am Tag zu nennenswerten Erträgen gelangen und dass diese auch länger anhalten. Auf der Ostseite produzieren Sie gerade vormittags große Strommengen, am Nachmittag übernimmt dann die Westseite. Am höchsten ist der Ertrag aber dann, wenn beide Seiten zu etwa gleichen Teilen zur Stromproduktion beitragen. Das ist während der Mittagszeit der Fall. Damit wissen Sie auch, zu welchen Zeiten Sie den höchsten Verbrauch fahren können.

Ost-West-PV-Anlagen sind günstiger in der Anschaffung

Diese Aussage trifft zu, wenn wir den Preis pro kWp bezüglich der Anschaffung betrachten. Der Grund dafür liegt darin, dass die Montage einiger zusätzlicher Solarmodule keinen hohen Aufwand verursacht. Pro installiertem kWp an Leistung müssen Sie daher etwas weniger bezahlen. Die Einsparungen liegen etwa bei 5 bis 14 Prozent. Da Sie Solarmodule aber auf zwei Dächern installieren müssen und sich die Anlage insgesamt vergrößert, steigen die Gesamtkosten etwas an.

Optimale Neigung der PV-Module bei Ost-West-Ausrichtung

Wenn Sie mit Ihrer PV-Anlage einen möglichst hohen Ertrag erzielen möchten, spielt die Dachneigung eine entscheidende Rolle. Und die hängt wiederum davon ab, welche Ausrichtung Ihr Dach aufweist.

Während bei Dächern mit Südausrichtung eine Dachneigung zwischen 30 und 40 Grad die höchsten Erträge bietet, sollte der Winkel bei Dächern mit Ost-West-Ausrichtung so flach wie möglich ausfallen. Den besten Ertragswert würden Sie hier mit einem Flachdach erreichen mit einem Neigungswinkel von null Grad. Immer noch gute Werte erzielen Sie in einem Bereich von 0 bis 30 Grad.

Vor- und Nachteile einer Ost-West-Ausrichtung

Die Ost-West-Ausrichtung besitzt eine ganze Reihe von Vorzügen. Dazu gehört, dass die Stromerzeugung gleichmäßiger über den Tag verteilt ist, früher anfängt und länger andauert. Das bietet einige praktische Vorteile. So können Sie zum Beispiel den Solarstrom früh am Morgen nutzen, wenn Sie Geräte wie die Kaffeemaschine oder das Radio benötigen. Außerdem haben Sie nachmittags und auch noch am Abend zum Beispiel nach der Arbeit viel Strom zur Verfügung. Weiterhin können Sie auf einer Ost-West-Anlage mehr Module unterbringen und damit auch mehr Strom produzieren.

[Infografik: Ungefährer Ertrag bei Anlagen mit Ost-West-Ausrichtung mit Hochpunkten morgens und am späteren Nachmittag]

Zu den Nachteilen gehört der geringere Ertrag im Vergleich zu einer Photovoltaikanlage, bei der die Module nach Süden ausgerichtet sind. Weiterhin ist die Ost-West-Ausrichtung wenig sinnvoll, wenn Sie ein Dach mit hohem Neigungswinkel besitzen. Dadurch würde der Ertrag noch weiter sinken. Zudem müssen Sie wegen der Zweiteilung der Anlage mit höheren Gesamtkosten rechnen.

Solaranlage mit Ost-West-Ausrichtung: Wie sieht es mit dem Eigenverbrauch aus?

Ein hoher Eigenverbrauch gilt als Schlüssel für den wirtschaftlichen Betrieb einer PV-Anlage. Und dafür ist eine Ost-West-Ausrichtung tatsächlich sehr gut geeignet. Der Grund dafür liegt in der besseren Verteilung der Stromproduktion über den Tag hinweg. Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht den meisten Strom vormittags und am Abend. Das deckt sich mit der Produktion der Ost-West-Anlage, die genau während dieser Zeiten viel Solarstrom liefert.

<span class="highlight-section-blue">Bei Solaranlagen sind ein hoher Eigenverbrauch und eine hohe Wirtschaftlichkeit bzw. Rendite häufig gleichzusetzen. Das liegt daran, dass sich die Strompreise deutlich oberhalb der Einspeisevergütung bewegen. Sie sparen also mehr ein durch den Eigenverbrauch, als Sie mit der Einsparung verdienen könnten. Zu diesem Konzept passt eine Ost-West-PV-Anlage hervorragend.</span>

Ost-West-Ausrichtung: Der Wechselrichter darf kleiner ausfallen

Eine Anlage mit Ost-West-Ausrichtung ermöglicht es Ihnen, mehr Module auf dem Dach unterzubringen und mehr Strom zu produzieren. Sie erzielen damit gleichmäßigere Erträge ohne Leistungsspitzen. Daher muss der Wechselrichter nicht so viel aushalten können. Planen Sie also mit einer Komponente, die ruhig etwas günstiger sein darf.

<span class="highlight-section-blue">Der Wechselrichter gehört zu den wichtigen Komponenten einer Solaranlage. Er ist dafür zuständig, den Gleichstrom in Wechselstrom umzuwandeln, den Sie im direkt im Haushalt verwenden oder einspeisen können.</span>

Mit welcher Leistung sollte ich bei einer Solaranlage mit Ost-West-Ausrichtung planen?

Gehen wir von einem typischen Einfamilienhaus mit einem jährlichen Stromverbrauch bis zu 4.000 kWh aus, sollten Module mit einer Leistung bis maximal 360 Wp bereits ausreichen. Etwas anders sieht es aus, wenn Sie nur wenig Dachfläche zur Verfügung haben. In diesem Fall können Sie trotzdem mehr Strom produzieren, indem Sie Module mit einer höheren Leistung wählen.

FAQ

Wie sieht die optimale Dachneigung bei Ost-West-Ausrichtung aus?

Da die Produktion bei dieser Ausrichtung stark auf den Morgen und den Abend verlagert ist und die Sonne dann tiefer steht, sollten die PV-Module einen flacheren Neigungswinkel besitzen. Gute Werte liegen hier zwischen 0 und 30 Grad.

Wie teuer ist eine Anlage mit Ost-West-Ausrichtung

Der wesentliche Vorteil der Ost-West-Anlagen ist zugleich ihr entscheidender Nachteil: Da Sie Solarmodule auf zwei Dachhälften unterbringen müssen, fallen insgesamt höhere Kosten für die Anschaffung an.

Sind PV-Anlagen mit Ost-West-Ausrichtung für das Flachdach geeignet?

Ein Flachdach eignet sich nicht nur für eine Ost-West-PV-Anlage, sie bietet sich hierfür geradezu an. Denn bei einer solchen Photovoltaikanlage fällt der Ertrag bei flacherem Dachwinkel höher aus. Zudem existieren für Flachdächer spezielle Montagesysteme, mit denen sich die Module platzsparend aufständern lassen. Diese Systeme wirken auch dem Problem der Selbstverschattung entgegen.

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