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17.8.2023
Photovoltaik lohnt sich nicht? Wir machen den Faktencheck

Photovoltaik lohnt sich nicht? Wir machen den Faktencheck

Veröffentlicht am
17.8.2023
Inhaltsverzeichnis

Die Photovoltaik ist als Technologie bereits seit vielen Jahrzehnten verfügbar, mittlerweile zu relativ geringen Kosten umsetzbar und fast jeder kann auf den Dächern seiner Nachbarn Panele sehen, wenn er aus dem Fenster guckt. Dennoch existieren bezüglich der Photovoltaik kritische Stimmen, die zum Beispiel die gesunkene Einspeisevergütung als Problem sehen. Zu den Fakten gehört, dass zumindest während der sonnenreichen Monate kostenloser Strom zur Verfügung steht und sich die Anlagen völlig emissionsfrei betreiben lassen. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, warum die Photovoltaik in Wahrheit auch als Renditeobjekt immer noch interessant ist und warum Privathaushalte mit der Anschaffung nicht warten sollten.

Von diesen Faktoren hängt die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage ab

Ob sich eine Photovoltaikanlage wirtschaftlich betreiben lässt oder nicht, hängt von deren Aufbau und der Verbrauchsart ab, für die Sie sich entscheiden. Tatsächlich verhalten sich Anlagen mit und ohne Speicher hinsichtlich der Rendite deutlich anders und es kommt darauf an, ob Sie viel Strom selbst verbrauchen oder nicht.

PV-Anlagen ohne Speicher sind wirtschaftlicher

Hohe Renditen sind vor allem bei kleineren Anlagen zu erwarten, bei denen Sie auf einen Speicher verzichten. Das können zum Beispiel die Balkonkraftwerke sein, wie sie viele Haushalte für sich errichten. Die Verwendung eines Stromspeichers hört sich erst einmal nach einer guten Idee an, weil die Sonne nie durchgehend scheint. Sie können Strom gerade im Sommer und während des Tages produzieren und dann dank des Speichers verbrauchen, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Ein solcher Speicher weist aber auch Nachteile auf.

Tatsächlich ergeben sich bei der Verwendung eines Speichers Umwandlungsverluste. Sie können davon ausgehen, dass Sie bis zu 15 Prozent der Energie dabei verlieren. Weiterhin können Sie den Stromspeicher nicht durchgehend nutzen. Im Winter sind die produzierten Strommengen gering und der Speicher daher völlig überdimensioniert. Damit fällt es schwer, die Anschaffungskosten zu rechtfertigen.

Wann lohnt sich also ein solcher Speicher überhaupt? Das kann der Fall sein, wenn Sie diesen zu einem besonders günstigen Preis kaufen können oder eine Förderung erhalten. Wenn Sie eine möglichst hohe Rendite erzielen möchten, sollten Sie hingegen eher darauf verzichten.

Welche Rolle spielt der Eigenverbrauch?

Sobald Ihre PV-Anlage an das öffentliche Netz angeschlossen ist, stellt sich die Frage, wie hoch der Eigenverbrauch in Ihrem Haushalt ausfällt und wie viel Strom Sie einspeisen möchten. Die Rendite hängt auch davon ab, wie sich dieser Strommix bei Ihnen genau zusammensetzt.

Photovoltaik lohnt sich nicht, wenn Sie einen zu niedrigen Eigenverbrauch wählen. Tatsächlich gilt der Eigenverbrauch als Schlüssel für eine hohe Wirtschaftlichkeit. Der Grund dafür ist einfach zu verstehen, wenn Sie die normalen Stromkosten für einen Privathaushalt mit der Einspeisevergütung vergleichen. Wir haben zwei Beispielrechnungen für die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage erstellt und zeigen im Vergleich, warum ein hoher Eigenverbrauch so vorteilhaft ist. Dabei gehen wir von folgenden Daten aus:

Leistung der PV-Anlage: 4.500 kWh

Stromverbrauch im Haushalt pro Jahr: 3.500 kWh

Vorgesehene Betriebsdauer: 25 Jahre

Angenommener Strompreis für gesamte Laufzeit: 36 Cent pro Kilowattstunde

Einspeisevergütung: 8,2 Cent

Im ersten Szenario ergibt sich aufgrund des besonders niedrigen Eigenverbrauchs über 25 Jahren hinweg sogar ein minimaler Verlust. Im zweiten Szenario mit einem Eigenverbrauch von knapp einem Drittel hingegen fällt die Ersparnis mit 6.100 Euro erfreulich hoch aus im Vergleich zum Strombezug aus dem öffentlichen Netz.

Das Ergebnis lässt sich einfach nachvollziehen. Da der Strompreis 27,8 Cent pro Kilowattstunde oberhalb der Einspeisevergütung liegt, sollte der Haushalt den Solarstrom lieber selbst verbrauchen. Die Einsparungen beim Einkauf von Strom sind deutlich größer als die erzielbare Einspeisevergütung.

Mit welcher Rendite kann ich bei einer Photovoltaik-Anlage rechnen?

Photovoltaik lohnt sich nicht? Diese Pauschalaussage ist falsch, denn die erzielbaren Renditen sind nach wie vor positiv. Die Schätzungen reichen dabei von 5 bis über 10 Prozent. Das ist abhängig davon, wie groß die Solaranlage ausfällt, wie hoch die Anschaffungskosten und der Eigenverbrauch liegen und welche Ausrichtung das Dach besitzt.

Neben einem hohen Eigenverbrauch von mindestens 20 oder 30 Prozent ist es wichtig, die Anschaffungskosten so niedrig wie möglich zu halten. Das fällt heute besonders leicht, denn die Preise für PV-Module sind stark gesunken. Wenn Sie eine neue PV-Anlage errichten möchten, sollten Sie die Angebote mehrerer Installateure miteinander vergleichen und das günstigste für sich auswählen.

Wann steigt die Einspeisevergütung wieder?

Die Einspeisevergütung stellt ein politisches Steuerungsinstrument dar und unterliegt laufenden Änderungen. Ein Investor oder Privathaushalt muss daher abschätzen können, wie sich die Preise für den abgenommenen Solarstrom in der Zukunft entwickeln.

Für PV-Anlagen hat sich in dieser Hinsicht seit dem 30. Juli 2022 viel geändert. Seitdem liegt die Vergütung für PV-Anlagen mit bis zu 10 kWp (10.000 kWh) bei 8,2 Cent pro kWh und damit deutlich höher als in der Vergangenheit. Bei Anlagen mit mehr als 10 kWp liegt der neue Satz bei 7,1 Cent pro kWh[1].

Welchen Einfluss hat die Dachausrichtung auf den Ertrag meiner PV-Anlage?

Photovoltaik lohnt sich nicht? Wenn Sie diesen Eindruck mit Ihrer eigenen Solaranlage erlangt haben, stimmt vielleicht etwas mit der Dachausrichtung nicht. Die hat nämlich einen erheblichen Einfluss auf die Produktion. Im Idealfall sollte das Dach nach Südwest bis Südost ausgerichtet sein. Achten Sie weiterhin darauf, dass die Dachneigung zwischen 20 bis 40 Grad beträgt. Dann können Sie die Module für Ihre Photovoltaikanlage sinnvoll unterbringen.

<span class="highlight-section-blue">Die hier angegebenen Werte beschreiben ein ideales Szenario für Ihre PV-Anlage. Das bedeutet nicht, dass Sie mit einer zum Beispiel zur Nordseite ausgerichteten Anlagen keinen Strom erzeugen können. Moderne Photovoltaikanlagen können mit solchen Bedingungen immer besser umgehen. Damit lohnt sich die Anschaffung praktisch für jedes Eigenheim.</span>

Wie sieht die optimale Größe für Stromspeicher aus?

Wenn Sie eine Speicherung des erzeugten Stroms wünschen und dafür eine Investition in einen Batteriespeicher vornehmen möchten, sollte dieser seiner Größe nach zu Ihrer Photovoltaik-Anlage passen. Die Faustregel besagt, dass Sie für jeweils 1.000 kWh Verbrauch mit 1 kWh für Ihren Batteriespeicher planen sollten. Wenn Sie sich daran halten, passt die Größe zu Ihrem Haus und Sie geben nicht zu viel Geld aus.

<span class="highlight-section-orange">Neben der Größe der Stromspeicher spielt auch die Größe der Anlage selbst eine Rolle. Die Investition in eine größere Anlage kann sinnvoll sein, weil hier die Kosten pro kW etwas geringer ausfallen als bei kleineren Solaranlagen.</span>

Nutzt die Photovoltaik nur der Umwelt?

Die Photovoltaik bietet neben dem Aspekt der Umweltfreundlichkeit viele weitere Vorteile. Wenn Sie Ihren Strom mit der Solaranlage selbst produzieren, können Sie etliche Cent pro kWh sparen, die Sie nicht mehr aus dem öffentlichen Stromnetz beziehen müssen. Photovoltaik lohnt sich auch deshalb, weil Sie neben Verbrauchern wie Elektrogeräten und der Heizung auch Ihr E-Auto günstig und bequem mit PV-Strom versorgen können. Häufig bildet daher die Photovoltaikanlage den Mittelpunkt einer größer angelegten Strategie zur Einsparung von CO2 und zu einem Umgang mit Energie, der Ihren Geldbeutel schont.

Lohnt sich Photovoltaik als Mietmodell?

Einige Anbieter haben sich darauf fokussiert, Ihnen durch Solaranlagen zur Miete die Solarenergie zugänglich zu machen. Das soll attraktiv sein für Hausbesitzer, die sich eine Photovoltaikanlage nicht leisten können. Das Problem besteht aber hier wieder in Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit. Denn die ergibt sich auch dadurch, dass die Anschaffungskosten irgendwann amortisiert sind. Das ist beim Mietmodell aber nie der Fall, die monatlichen Mietkosten fallen an, solange Sie die Solaranlage nutzen. Einen Beitrag zum Klima kann dieses Geschäftsmodell vielleicht leisten, für Sie als Verbraucher erweist es sich im Faktencheck allzu oft als nachteilig.

Kann ich den Solarstrom für meine Wärmepumpe verwenden?

Viele haushalte denken darüber nach, ihre Kosten für die Erzeugung von Wärme mit einer Wärmepumpe zu senken und Ihr Haus in Hinblick auf eine höhere Klimafreundlichkeit zu optimieren. Wenn Sie Solarenergie über PV selbst erzeugen, liegt die Nutzung dieses Stroms für die Wärmepumpe nahe.

Und tatsächlich handelt es sich bei der Kombination von Photovoltaikanlage und Wärmepumpe um eine der klügsten Entscheidungen, die Sie für Ihr Gebäude treffen können. Denn die Sonnenenergie hilft Ihnen dabei, die Kosten für die Heizung und die Warmwasserbereitung zu senken. Allerdings ist auch hier wieder eine sorgfältige Planung erforderlich. Das bedeutet, dass Sie zum Beispiel die Anschaffungskosten für die Wärmepumpe und für einen eventuell erforderlichen Umbau bei der Gesamtkalkulation berücksichtigen müssen. In der Regel lohnt sich diese Investition für ein Einfamilienhaus aber, weil der Staat wiederum eine entsprechende Förderung vorsieht.

Wie lange dauert die Amortisation meiner Photovoltaikanlage?

Pauschalaussagen sind bezüglich der Amortisationsdauer nur schwer zu treffen, da die Anlagen in der Praxis sehr unterschiedlich ausgestaltet sind und die Kosten stark voneinander abweichen können. Daher ist es schwer, eine Antwort zu finden. Die Amortisationsdauer liegt aber in der Regel deutlich unter der minimalen Nutzungsdauer, die 20 Jahre beträgt. Gehen Sie etwa von der Hälfte dieser Zeit aus. Nach der Installation dauert es häufig nur acht bis elf Jahre, bis Sie die Kosten für die Anschaffung wieder eingespielt haben.

<span class="highlight-section-orange">Denken Sie daran, dass viele Faktoren die Amortisation hinauszögern können. Dazu gehören neben Kosten für die Reparatur und Wartung auch die Steuern. Bei Solarstromanlagen fällt zum Beispiel der Wechselrichter gerne nach einigen Jahren aus. Hier sollten entsprechende Rücklagen vorhanden sein.</span>

FAQ

Lohnt sich Photovoltaik noch?

Die Erzeugung von Solarstrom mit der eigenen PV-Anlage ist noch immer lohnenswert. Die PV-Module sind immer günstiger erhältlich, die Strompreise bleiben hoch und die Einspeisevergütung im Rahmen der EEG-Umlage steigt aktuell wieder. Alles das spricht für die Photovoltaik.

Welche Vorteile hat die Photovoltaik?

Sie erlangen mit einer eigenen Solaranlage mit Ihrem Haushalt einen höheren Autarkiegrad. Sie sind unabhängiger von der Versorgung durch das öffentliche Netz und der Entwicklung der Strompreise. Außerdem können Sie umweltfreundlich Strom produzieren.

Welche Nachteile hat die Photovoltaik?

Zu den Nachteilen der Photovoltaik gehören die relativ hohen Anschaffungskosten für eine PV-Anlage und der Platzbedarf für die Module, den Sie als Hausbesitzer zum Beispiel auf dem Dach zur Verfügung stellen müssen.

Sind Solaranlagen mit Stromspeicher besser?

Nein, gerade in Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit können die Speicher sogar einen Nachteil darstellen. Statt viel Strom zu speichern, sollten Sie lieber einen hohen Eigenverbrauch fahren.

Soll ich meine Anlage mindestens 20 Jahre betreiben?

Die normale Nutzungsdauer bei Photovoltaikanlagen beträgt tatsächlich 20 Jahre bis zu 25 Jahre. Mit diesen Werten sollten Sie auch die Wirtschaftlichkeitsrechnungen durchführen.

Quellen

[1]: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/eeg-2023-das-hat-sich-fuer-photovoltaikanlagen-geaendert-75401

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